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Ich lache immer noch

Heilsbringer der versammelten Schülerschaft
Von Tom Vörös

Hunderte Teenager sind beseelt von der japanischen Metalband Dir En Grey, die in Dresden spielte.
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Sonntagabend auf eine Horde sehr junger feiernder Menschen zu treffen, ist ungewöhnlich. Sind doch kurz vorm Start in die neue Schulwoche oft noch letzte Hausaufgaben zu erledigen. Doch wenn die japanische Rockband Dir En Grey in der Dresdner Reithalle spielt, ist das hart ersparte Taschengeld schnell geplündert und in eine 35 Euro teure Konzertkarte investiert. Ob die Eltern zu den Sponsoren der Musik-Exkursion zählen, darf angesichts der harten metallischen Rockmusik von Dir En Grey durchaus bezweifelt werden.

Beim übermäßig lauten Konzert der japanischen Kultband schwingt von Beginn an etwas mehr mit als nur die Liebe zur Musik. Sänger Kyo, die Gitarristen Kaoru und Die, Bassist Toshiya und Schlagzeuger Shinya werden von ihren Fans vergöttert. Der mal weiblich kreischende, mal männlich grunzende, obenrum nackte Sänger vollführt ein regelrechtes Ritual mit seinem Körper. Kyos überzeichnete Posen lassen ihn zum Heilsbringer der versammelten Schülerschaft werden. Teilweise steht er minutenlang regungslos da und wartet die meist euphorischen Reaktionen ab. Dieses Mal verzichtet er auf die Verwendung von Kunstblut, Rasierklingen und darauf, sich selbst ins Gesicht zu schlagen.

Auch verzichteten die Musiker auf ihre sonst sehr auffällige Kleidung: Warf sich der aus dem Olympiaort Kyoto stammende Sänger früher noch in bunte Bühnen-Monturen im Stil des sogenannten „Visual Kei“ – Kleidung und Frisuren, die den Figuren aus japanischen Manga-Comics ähneln –, tragen Dir En Grey jetzt eher dunkle Textilien. Dennoch gilt die Band als musikalische Speerspitze einer Modebewegung, die verschiedenste Elemente aus der Gothic- und Punk-Bewegung kombiniert und fantasievolle Schuluniformen hervorbrachte – auch einige Fans haben sich verkleidet. Ursprung war aber der in Japan traditionell streng geregelte Kleidungsstil im Schul- und Arbeitsleben, der Anfang der 1980er-Jahre von japanischen Bands farbenfroh durchbrochen wurde und Visual Kei bis heute prägt.

„Ankore“, japanisch für Zugabe, rufen die energischen Fans nach dem letzten Song gen Bühne. Belohnt werden sie mit einem vergleichsweise eingängigen Song. Hunderte Musik-Jünger sind im Freudentaumel und schon bald wieder auf dem Schulweg, mit der Musik von Dir En Grey im Ohr.


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